Tabris/Kaworu: "Ode an die Freude"

von Leareth
(Übersetzung von Seashore)

Erde - der Fels, auf dem ich ruhe.
Feuer - die sterbende Sonne brennt rot.
Luft - umgibt uns und schenkt uns das Leben.
Wasser - in das ich hinein starre, auf der Suche nach Antworten.
Die Wellen sind ständig in Bewegung, aber dennoch friedlich. Ruhig. Anders als mein eigenes Leben, meine Entscheidungen.
Tabris muß sich mit jenem vereinigen, von dem er kam, um so die Lilim auf die letzte Stufe zu bringen. Schicksal.
Aber Kaworu zögert.
Tabris schweigt nun, Kaworu dominiert. Doch ich wurde von ihnen geschickt, und bald wird die Zeit gekommen sein.
Dann werde ich wählen müssen.
Was soll ich tun?
Nicht ich war derjenige, der sich das fragte, obwohl ich es genauso hätte sein können. Vielmehr der, der dort drüben am Ufer des Sees stand.
Er hatte meine Gegenwart noch nicht bemerkt, schien abwesend, als befände sich sein Inneres in Unruhe. Aber das war seine Natur.
Was soll ich - er - tun?
Für's erste: Unsere Seelen zueinander führen.
Ich sang. Er starrte mich an, aber ich schaute nicht zu ihm hinüber. Der Musikfluß endete.
Ich war der erste, der sprach. "Ein Lied ist etwas Gutes."
Er antwortete mit Verwirrung.
Ich fuhr fort. "Ein Lied macht uns fröhlich. Ich denke, dieses Lied ist das höchste Gut der Kultur der Lilim. Findest du das nicht auch, Shinji Ikari?"
Ich drehte mich um und sah ihn an.
Ein Junge in meinem Alter, aber in seinen Augen lag so viel Leid für jemanden, der so jung war. Dieser Blick weckte Sympathie - oder etwas … anderes.
"Du kennst meinen Namen?" fragte er.
Ich saß dort auf meinem hohen Sitz über dem Wasser und lachte ein wenig.
"Jeder kennt deinen Namen", neckte ich. "Ich will nicht unfreundlich klingen, aber du hast nicht die geringste Ahnung, wie bekannt du bist."
Aber so sehr, wie er den Kontakt mit anderen scheute, war das nicht weiter verwunderlich.
"Bin ich das?" entgegnete er überrascht. "Gut, und wer bist du?"
Wer bin ich wirklich? Tabris oder Kaworu?
Für ihn...
"Ich bin Kaworu. Kaworu Nagisa. Ich bin wie du, einer der auserwählten Children. Das Fifth Child, um genau zu sein."
Ja, um diejenige zu ersetzten, die durch Araels Hand gelitten hatte, diese eine, die sich nun vor der Welt verborgen hielt.
"Du bist das Fifth Child?" rief er aus. "Nagisa-kun..."
Formalitäten, die nur zeigten, wie sehr er zögerte, Freundschaft zu schließen und wie er andere von sich fernhielt.
"Nenn' mich 'Kaworu,' Ikari-kun," sagte ich neckend.
Er wurde rot. "Ikari-kun!" sagte er verlegen. "Du kannst mich Shinji nennen."
Ich lachte. Die erste Mauer zwischen ihm und mir war durchbrochen.
Er stand eine Weile still da, fragte sich, was er sagen sollte. Schließlich fragte er mich: "Wie bist du da hoch gekommen?" Er meinte den Felsen, auf dem ich saß, mit den Füßen über dem orangefarbenen Wasser baumelnd, beinahe fallend...
"Ich bin geflogen."
Ich lächelte. Es war die Wahrheit.
Er lachte.
"Möchtest du dich nicht zu mir setzen?" sagte ich einladend.
Ich wünschte mir seine Gesellschaft.
"Ich kann nicht so weit springen", protestierte er.
"Wieso nicht? Ich werde dich auffangen."
"Was, wenn ich hineinfalle?"
Er war furchtsam, hatte Angst, etwas zu tun, bei dem er fallen könnte.
Aber ich konnte ihm beibringen, daß es auch anders geht.
"Wenn du hineinfällst...", sagte ich und stand auf. Ich machte einen Schritt vom Stein hinunter, hinab ins Wasser. Er keuchte ängstlich. Das Wasser erreichte meinen Nacken.
"Du könntest etwas Neues entdecken."
Ich tauchte ins Wasser nach dem Gegenstand , den ich bereits vorher gesehen hatte.
Vielleicht hatte diese kaputte kleine Statue einst das Regal im Hause einer Lilim geziert, die hier in Frieden gelebt hatte, bis zu Armisaels Ankunft und ihrem Opfer, um jene zu retten, mit der ich nun sprach. (Empfand sie die gleichen Gefühle für ihn wie ich?) Hoch breitete sie ihre Flügel aus, das dunkelblaue Glas fing die sterbenden Strahlen der Sonne ein. Sie hatte die Hände ausgestreckt, um irgendetwas zu berühren, das sie nun nicht länger sehen konnte, denn der Kopf war abgebrochen.
Dieser Engel würde niemals wieder fliegen.
Er starrte sie verwundert an, als ich das Ufer erreichte. Ich hielt sie ihm hin.
Er nahm sie.


Fast augenblicklich mußte ich meine Fähigkeit, die Eva-Einheit 02 zu steuern, unter Beweis stellen.
Sie kleidete sich in Weiß in einem Raum direkt neben dem, wo ich und Shinji uns in Blau kleideten.
Sie wußte nicht, was sie war.
Aber ich wußte es. Wir waren gleich.

Vielleicht waren sie von meinen Fähigkeiten überrascht. Möglicherweise stieg Mißtrauen in den Köpfen einiger von ihnen auf.
Ich weiß, daß Shinjis Aufpasserin mir nicht traut.
Aber sie können nichts dagegen tun.
Unser Schicksal ist entschieden - wir können nicht wählen.
Oder können wir?

Ich wartete oben an der Treppe auf sie.
Sie stutzte.
"Du bist das First Child?" fragte ich.
Sie sagte nichts.
" Rei Ayanami.....", flüsterte ich. "Du bist wie ich. Wir beide haben die Gestalt eines Lilim angenommen, um auf diesem Planeten zu leben."
Ihre Augen, rot wie meine, wurden schmal.
"Wer bist du?" fragte sie mit Nachdruck.
Ich lächelte, gab ihr jedoch keine Antwort.

Er wartete auf mich.
Ich trat aus der Tür und lächelte, als ich ihn sah, vornüber gebeugt, während Musik in seinen Ohren spielte.
Mein Lied.
"Du hast auf mich gewartet?" fragte ich.
Er wurde erneut rot, zeigte wieder seine Unsicherheit im Umgang mit anderen. "Oh, nein, ich... so habe ich das nicht gemeint."
"Was machst du heute noch?"
"Nun, der Test ist vorbei, ich wollte eine Dusche nehmen, bevor ich nach Hause gehe. Aber in letzter Zeit will ich nicht nach Hause", sagte er unbehaglich.
"Du hast ein Haus, oder ein Zuhause, zu dem du gehen kannst", erwiderte ich. "Das macht dich glücklich. Das ist schön."
"Ist es so?"
"Ich möchte mich noch ein wenig mit dir unterhalten", sagte ich. "Kann ich mit dir kommen?"
"Häh?"
"Ich meine, unter die Dusche. Wolltest du nicht unter die Dusche gehen?"
"Ja..."
Wieder Unsicherheit. Er scheute vor Gefühlskontakt zurück.
Ich wollte ihm helfen, seine Gesellschaft genießen für die wenigen Stunden, die wir zusammen hatten.
"Du meinst 'nein'?"
"Oh, doch. Ich meinte nicht nein."

Reinigendes Wasser. Beruhigend.
Ich wusch Tabris' Sicherheit weg, und Kaworu begann, Tabris' Schicksal in Frage zu stellen.
Mein ... Begleiter war unsicher. Ich begann zu reden.
"Du vermeidest Kontakt der ersten Art, koste es, was es wolle. Fürchtest du dich davor, andere Menschen zu fühlen? Wenn du die anderen ignorierst, wirst du niemals verraten oder verletzt, obwohl es dir niemals gelingen wird, aus deiner Traurigkeit zu entfliehen. Niemand kann Traurigkeit für immer auslöschen.
Jeder ist allein."
Sanft legte ich meine Hand auf seine. Selbst diese leichte Berührung ließ ihn zurückschrecken, und er versuchte, sich mir zu entziehen.
Ich ließ meine Hand, wo sie war.
"Wie auch immer, wir können vergessen, und so sind wir in der Lage, zu leben."
Die Lichter gingen aus.
"Oh ... Es ist Zeit," sagte Shinji.
Er klang widerwillig ... und ich empfand ebenso.
"Es ist vorbei?"
"Ich muß ins Bett."
"Mit mir?"
Er reagierte, stutzte.
"Äh... nein, du hast dein eigenes Zimmer."
"Okay."
Ich stand auf, schüttelte das Wasser ab. Er starrte mich an.
"Die Menschen fühlen stets Schmerz in ihren Herzen", sagte ich, ohne ihn anzusehen oder ihn zu berühren. "Das Herz ist sehr verwundbar, und das ist der Grund, weshalb das Leben so mühselig ist. Genauer gesagt, dein Herz ist zerbrechlich wie Glas."
"Meines?" fragte er.
"Liebenswert."
Ich sah ihn an.
"Liebe?"
"Ich meine, ich liebe dich."
Er erzitterte, brach jedoch den Blickkontakt nicht ab.
Keiner von uns sprach.
Ich war derjenige, der sich zuerst umdrehte. Ich nahm ein Handtuch und bedeckte mich, während er im Wasser blieb, zögernd.
"Ich denke, es ist Zeit für dich, nach Hause zu gehen", sagte ich.
Er erwachte aus seiner Trance.
"Ähm, würde es dir etwas ausmachen, wenn ich bei dir bleibe?" fragte er, als ob er erwartete, daß ich ihn zurückwies.
Ich drehte mich um, nur halb angezogen, und lächelte ihn an.
"Es wäre mir eine Ehre, wenn du kommen würdest."

Als ob er glaubte, für etwas bestraft werden zu müssen, nahm Shinji den Fußboden.
"Wirklich, ich sollte auf dem Boden schlafen", sagte ich mehr als einmal.
"Oh, das mußt du nicht. Ich war es, der dich darum gebeten hat, hier zu schlafen", entgegnete er, starrte hinauf an die Decke. Es war ungewohnt für ihn. "Es ist in Ordnung, wenn ich auf dem Boden schlafe."
Stille. Er wollte etwas sagen, traute sich jedoch nicht.
"Was willst du sagen?" fragte ich.
"Häh?"
"Du hast etwas, was du mir sagen willst."
Als ob er begierig wäre zu sprechen, nachdem er es so lange zurückgehalten hatte, strömten die Worte aus ihm heraus.
"Ich habe so einiges erlebt, seit ich hierher kam", sagte er. "Ich wohnte vorher bei meinem Lehrer. Ruhige und stille Tage. Ich habe einfach nur vor mich hingelebt. Damit war ich zufrieden. Ich hatte nichts zu tun."
Die Worte hörten auf.
"Du magst keine Menschen?" fragte ich.
"Nun, sie kümmern mich nicht wirklich", erwiderte er. "Ausgenommen mein Vater, den ich hasse."
Ah ja. Sein Vater, der Shinji zwang, sich vor anderen zu verschließen, indem er ihn im Stich ließ, als er noch ein kleines Kind war.
Aber ich verstand ihn. Und ich liebte ihn. Ich wollte ihn trösten, ihm zeigen, daß er es wert war, geliebt zu werden.
Ich lachte, dann seufzte ich.
Ich blickte zu ihm herüber, so daß er mich ansah. Lächelnd schaute ich ihn an.
"Vielleicht wurde ich geboren, um dich zu treffen", sagte ich sanft.
"Warum sagst du das?" fragte er.
Ich streckte meine rechte Hand aus und streichelte seine Wange.
Er schloß seine Augen.
"So zerbrechlich, so weich", murmelte ich. "Ihr Lilim seid so zart - und doch so stark."
Langsam glitt ich hinunter vom Bett, während meine Finger den Konturen seines Gesichtes folgten.
"Du glaubst, du bist es nicht wert, geliebt zu werden, genauso sehr, wie du es dir wünschst, und so vermeidest du jeden Kontakt, aus Angst, dieses Risiko einzugehen und dabei verletzt zu werden. Aber erinnerst du dich, daß dich jemand auffangen wird?"
Ich hielt über ihm inne, meine Finger berührten seine Lippen. Seine Hand legte sich auf meine.
"Und selbst, wenn du fällst, könntest du etwas Neues entdecken..."
Während mein Körper seinen bedeckte, berührte ich seine Lippen mit den meinen.
Ich fühlte etwas Nasses auf seiner Wange.
Du hast die Liebe so sehr verdient, und doch hast du sie nie bekommen.
Ich wischte die Träne hinfort und umarmte ihn, tröstend und beschützend. Ein weiterer Kuß, der zum nächsten führte, und dann zu anderen Dingen, als ich ihm zeigte, was Liebe bedeutet.

Wir schliefen mehrere Stunden nicht, während Shinji redete, ein zweiter Wortschwall, als er sich mir öffnete. Wenn ihn etwas verwirrte, war ich da, um ihn festzuhalten, ihn zu trösten.
Er schlief bald, ich jedoch nicht. Ich starrte ihn an, während ein friedvolles Lächeln auf seinem Gesicht spielte.
Es war Tabris' Schicksal, Zerstörung über die Menschheit zu bringen.
Aber Kaworu konnte es nicht länger tun.
Ich streichelte Shinjis Gesicht.
Irgend etwas schreckte mich auf. Ich setzte mich auf.
Sie riefen.
Ich stand leise auf und zog mich an. Ich warf noch einen Blick auf seinen nackten, schlafenden Körper und verließ dann den Raum.

Sie warteten bei dem Felsen, auf dem ich gesessen hatte, als ich Shinji zum ersten Mal gesehen hatte.
Die Monolithen erschienen, einer nach dem anderen, kreisten Tabris ein, während ich am Ufer stand.
Ich sprach zuerst, in den Augen eines zufälligen Betrachters scheinbar zu der leeren Luft.
"Menschen sind nicht in der Lage, etwas aus dem Nichts zu erschaffen. Sie brauchen etwas, mit dem sie beginnen können - denn Menschen sind keine Götter."
Es war der erste, der antwortete. "Aber es gibt einen Menschen, der versucht, Macht zu erlangen, die der von Gott gleichkommt."
"Es gibt einen Mann an unserer Seite, der versucht, die Büchse der Pandora wieder zu öffnen", sagte ein anderer.
"Und wer möchte die Büchse schließen, bevor die Hoffnung erscheint", fügte ein weiterer hinzu.
"Hoffnung?" erwiderte ich. "Das ist die Hoffnung der Lilim?"
Kaworu schlief in Shinjis Armen, Tabris sprach mit den Mitgliedern von SEELE.
Die Monolithen sprachen erneut.
"Es gibt so viele Formen der Hoffnung, wie es Menschen gibt."
"Denn Hoffnung existiert nur in den Herzen der Menschen."
"Aber 'unsere' Hoffnungen nehmen Gestalt an..."
"In Lilith, der Vorfahrin der Menschen - den falschen Nachfolgern vom Schwarzen Mond..."
"Und in Adam, dem Urahn der Engel - den wahren Nachfolgern vom Weißen Mond."
"Und dessen gerettete Seele allein in dir wohnt..."
"Aber dessen wiederbelebter Körper bereits in Ikari ist", sagte der erste Monolith.
Ah ja.
Ich war das Gefäß für die Seele, die sie zu Adam zurück bringen wollten, zu jenem, zu dem meine Seele gehörte.
Eine Frage tauchte in Kaworus Kopf auf.
Bedeutet das, daß ich nicht wirklich lebe, wenn ich keine eigene Seele habe?
Nein. Meine Seele wohnt in mir. Folglich gehört sie mir.
Ich kann Schmerz fühlen, ich kann Verlangen fühlen, ich kann Freude fühlen, ich kann ... Liebe fühlen.
Ich fühle all das und mehr - und deshalb lebe ich.
Ich schloß meine Augen und lächelte, die Hände in meinen Taschen, die Kleider, die Kaworu trug.
"Shinjis Vater... Ist er wie ich?"
Shinjis Vater, der die Seele eines Lilim besaß, aber dessen Gestalt den Körper eines Engels beherbergte.
Ich selbst (Kaworu oder Tabris?), die Gestalt eines Lilim, aber die Seele eines Engels.
"Das ist der Grund, weshalb wir jetzt all unsere Hoffnung in dich setzen."
Die Monolithen von SEELE verschwanden.
Ich stand da, dachte darüber nach, was alles geschehen war.
Aber da stand jemand anderes, sah mir zu...
Shinjis Bewacherin, die mich anstarrte, selbst, als ich aufsah und lächelte.
Tabris seufzte.
"Alles verläuft nach den Plänen der Lilim."

Ich schlief nicht, selbst, nachdem ich in mein Zimmer zurückgekehrt war, wo Shinji lag. Ich lehnte an der Wand, begnügte mich damit, ihn anzusehen.
Dies war der Tag, an dem sich unser Schicksal entscheiden sollte, obwohl wir beide ihn als Liebende begannen, nicht als Gegner.
"Kaworu?" fragte er schläfrig, sah sich nach mir um.
"Ich bin hier, Shinji." Ich setzte mich neben ihn.
Er lächelte mich scheu an.
"Komm, wir müssen gehen", sagte ich und zog ihn hoch.
"Wohin?"
"NERV."
Er zog sich an, und wir machten uns auf.
Im Gang blieb ich stehen. Starrte auf die Tür zu dem Raum, in dem ich weniger als einen Tag lang gelebt hatte. Er bedeutete mir wenig, ich sah ihn nur als den Ort, an dem Shinji und ich geschlafen hatten...
"Weißt du was, Shinji?"
"Hmm?"
"Wir haben beide letzte Nacht auf dem Boden geschlafen."
Er lachte, weniger unsicher, und wir gingen los.

Bald würden sich unsere Wege trennen müssen.
Kaworu wollte es nicht, aber Tabris fühlte den Ruf, der aus der Tiefe kam.
In dem leeren Korridor blieb ich stehen. Shinji schaute mich neugierig an.
"Ich muß gehen", sagte ich. Ich griff nach seiner Hand.
"Hu?" sagte er verwirrt.
Er würde verstehen. Bald.
"Was auch immer passiert, ich möchte, daß du eines weißt", flüsterte ich. Reflexartig kam er näher, um mich zu verstehen; sein Gesicht war nahe meinem, seine dunkleren Augen blickten in meine karmesinroten.
"Shinji, ich liebe dich. In alle Ewigkeit."
Ich küßte ihn, löste mich dann von ihm.
Lange Zeit sahen wir uns an, und Shinji versuchte, etwas zu sagen, aber er konnte es nicht.
"Ich...", sagte er, bracht dann ab.
Es gelang ihn nicht, einen kurzen Satz mit nur drei Wörtern zu beenden, der, falls er ihn ausgesprochen hätte, für mich entschieden hätte, daß ich nicht zurückkehren würde zu dem, der dort unten auf mich wartete.
Ich lächelte ihn an. Ich wußte, was er versuchte zu sagen.
"Ich weiß. Mach's gut."

Eva 02 stand still da, vier gesenkte Augen schimmerten.
"Die Zeit ist gekommen!" rief Tabris, als Kaworu weggesperrt wurde. "Komm, Adams Günstling, Diener der Lilim!"
Ich lief über den Rand der Brücke. Ich fiel nicht hinunter.
Während ich flog, rief ich es in aller Stille zu mir.
Die vier Augen leuchteten auf.
Es hatte begonnen.
Die Freude begann zu singen.

Ich drang weiter nach unten vor, hinab in die Eingeweide des Gebäudes, wo es auf mich wartete, nach mir rief.
Widerstand war zwecklos, denn mein Beschützer wehrte sämtliche Attacken ab.
Ich rief mein A.T. Field herbei.
Sie versuchten alles nur Mögliche, um mich aufzuhalten, aber der rote Dämon an meiner Seite zerstörte jede Barriere, jedes Hindernis.
Ich wartete darauf, daß er zu mir kam.
O Freunde, nicht diese Töne! Sondern, laß uns angenehmere anstimmen...
Aber er kam nicht.
Jemand hatte ihm gesagt, daß Kaworu verschwunden war und daß Tabris auf die unterste Ebene hinabstieg.
Ich fühlte seine Qualen, als er die gefürchtete Wahrheit leugnete.
und Freudenvollere!
"Shinji, du kommst spät", flüsterte ich.
Aber er kam, er verfolgte mich, zornig, verletzt.
Er schrie.
"Du hast mich verraten! Du hast mein Herz verraten! Wie es mein Vater getan hat!"
Diese Worte taten weh - Kaworu zuckte zusammen, verletzt, aber Tabris, den das nicht kümmerte, stieg weiter hinab.
Freude, Freude, Freude, Freude, schöner Götterfunken, Tochter aus Elysium...
Er war da.
"Ich habe auf dich gewartet", sagte ich nur. Er versuchte, mich anzugreifen, aber mein roter Beschützer hielt ihn auf Abstand.
Er rief meinen Namen, aber Kaworu hörte es nicht.
wir betreten feuertrunken, Himmlische dein Heiligtum!
Er flüsterte entschuldigende Worte an die Seele, die sich vor dieser Welt versteckte.
Die Messer flackerten auf.
Ich sprach meine Verwunderung laut aus.
"Eva, factae de Adamo, Wesen, die von den Menschen verabscheut werden. Immer noch versuchen die Lilim, durch sie zu überleben."
Deine Zauber binden wieder, was die Mode streng geteilt...
"Ich verstehe nicht..."
alle Menschen werden Brüder, wo dein sanfter Flügel weilt...
Die Klingen verhakten sich ineinander, die Energie blies mein silbernes Haar zurück.
"Kaworu, hör auf damit!" schrie er verzweifelt. "Warum tust du das?"
Deine Zauber binden wieder...
Ich redete, seltsam gesprächig, während ich ohne Anteilnahme zusah.
"Eva wurde aus dem gleichen Körper geschaffen wie ich."
was die Mode streng geteilt...
"Ich bin ebenso ein natus de Adamo. Wenn die Einheit keine Seele hat, kann ich mich mit ihr vereinigen. Die Seele dieser Einheit verschließt sich vor anderen."
alle Menschen werden Brüder, wo dein sanfter Flügel weilt...
Shinjis rutschte ab und flog in meine Richtung - und prallte ab.
"Du hast dein eigenes A.T. Field?" keuchte er erschrocken.
Seine letzten Zweifel waren nun verschwunden.
"Ja. Ihr Lilim nennt es so. Ein heiliger Bereich, in den niemand eindringen darf. Das Licht meiner Seele."
Wem der große Wurf gelungen, eines Freundes Freud zu sein...
"Ihr Lilim fürchtet euch davor. Seht ihr es denn nicht? Daß ein A.T. Field bloß die Barriere ist, die die Seelen aller Menschen voneinander trennt?"
Wer ein holdes Weib errungen, mische seinen Jubel ein!
"Ich verstehe nicht! Kaworu!"
Ja, wer auch nur eine Seele sein nennt auf dem Erdenrund...
Das Messer des roten Dämons drang in den Körper ein, in dem sich Shinji befand. Er schrie vor Schmerz.
Kaworu wollte aufhören, aber Tabris mußte damit fortfahren.
Und wer's nie gekonnt, der stehle weinend sich aus diesem Bund.
Ja, wer auch nur eine Seele sein nennt auf dem Erdenrund! Und wer's nie gekonnt, der stehle weinend sich aus diesem Bund...

Das Ziel der Menschen? dachte Kaworu. Die Hoffnung der Menschen ist die Bedrohung für die Traurigkeit.
Freude trinken alle Wesen an den Brüsten der Natur...
Ich schloß meine Augen, und die Mauer um uns herum wuchs.
Alle Guten, alle Bösen folgen ihrer Rosenspur. Küsse gab sie uns und Reben, einen Freund, geprüft im Tod; Wollust ward dem Wurm gegeben, und der Cherub steht vor Gott!
Wir machten weiter, hinab, hinab, hinab, bis wir mit solcher Wucht auf den Boden aufprallten, daß die Fundamente schwankten.
Küsse gab sie uns und Reben, einen Freund, geprüft im Tod; Wollust ward dem Wurm gegeben, und der Cherub steht vor Gott...
"Kaworu! Tu es nicht, Kaworu!" schrie Shinji verzweifelt.
und der Cherub steht vor Gott...
Er versuchte, mir zu folgen, aber der rote Dämon hinderte ihn daran.
Erneut kämpften sie.
Kaworu blickte traurig zu ihm.
Tabris stand vor der Tür.
steht vor Gott, vor Gott, vor Gott...
Sie öffnete sich auf meinen telepathischen Befehl.
Heaven's Door stand offen.
Ich ging hindurch.
Freude, schöner Götterfunken, Tochter aus Elysium...
Der Raum erbebte.
Etwas drang in meine Barriere ein. Es war so stark wie ich, es brach hindurch und erlaubte den Beobachtern dort oben, unsere Konfronation zu verfolgen.
Sie war es, die, die sie Rei nannten.
wir betreten feuertrunken, Himmlische, dein Heiligtum!
Sie stand dort oben, ausdruckslos, als das Blut, daß durch ihre und meine Adern floß, ihr die Macht gab, ihre eigene Barriere zu errichten.
Deine Zauber binden wieder, was die Mode streng geteilt...
Meine Einmischung hatte ihr diese Fähigkeit gegeben. Ich hatte das Wissen dazu in ihr erweckt.
Aber das spielte keine Rolle mehr.
Ihre Barriere verschwand so schnell, wie sie gekommen war.
alle Menschen werden Brüder, wo dein sanfter Flügel weilt...
Es wartete, eine gewaltige weiße Kreatur, an ein Kreuz genagelt, mit hängendem Kopf, und die sieben Augen, die sieben Augen, die auf dem Symbol von SEELE auftauchten, starrten. Auf mich, auf die beiden Riesen, seine eigenen Nachkommen, die miteinander kämpften, auf die, die dort oben über uns stand.
Selbst jetzt, als Tabris dort stand, bereit, sein Schicksal zu erfüllen, sprach Kaworu.
"Adam, unser aller Mutter. Müssen alle, die aus Adam geboren werden, zu Adam zurückkehren, selbst, wenn sie dabei die Menschheit auslöschen?"
Deine Zauber binden wieder, was die Mode streng geteilt...
Aber etwas stimmte hier nicht...
"Augenblick..."
Das war nicht der, nach dem ich gesucht hatte.
"Nein! Das ist etwas anderes. Es ist Lilith. Ich sehe es. Nun verstehe ich die Lilim."
alle Menschen werden Brüder, wo dein sanfter Flügel weilt...
Schrecken, die Erkenntnis, daß man mich hereingelegt hatte.
Ein Krachen, als der rote Dämon fiel und Shinji eintrat.
Tabris fiel in sich zusammen, und Kaworu kehrte zurück.
Seid umschlugen Millionen...
Er packte mich mit seiner rechten Hand, ohne zu zögern.
Ich lächelte.
"Danke, Shinji", sagte ich sanft, obwohl er - und die, die dort oben lauschten, es hören konnte. "Ich wollte, daß du Einheit 2 aufhälst. Andernfalls hätte ich mit ihr leben müssen."
Diesen Kuß der ganzen Welt!
"Kaworu, warum?" fragte er, verstand immer noch nicht.
Ich bin der Engel des Freien Willens. Ich kann mein Schicksal wählen.
Und ich wähle ihn.
"Ich bin dazu bestimmt, ewig zu leben, selbst, wenn die Menschheit dadurch ausgelöscht wird. Trotzdem ist es mir möglich, zu sterben. Sein oder nicht sein. Für mich macht das keinen Unterschied. Mein Tod ist die einzige vollkommene Freiheit."
Seid umschlugen Millionen!
"Was, was redest du da? Kaworu!" Er weinte jetzt fast, und mein Herz tat mir weh. "Ich verstehe nicht, worüber du da redest! Kaworu!"
Diesen Kuß der ganzen Welt!
"Meine letzten Worte."
Ich würde sterben, aber er würde leben. Das war alles, was zählte.
"Und nun, vernichte mich. Andernfalls werde ich dich vernichten. Nur ein Leben kann der Vernichtung entgehen und die Zukunft erleben."
Mein letzter Wunsch - daß er am Leben blieb.
Mein Opfer, seine Zukunft.
"Und du bist nicht derjenige, der sterben muß."
Gefangen in seiner Hand, unter mir die orangefarbene Flüssigkeit, sah ich zu ihr auf. Sie lächelte nicht.
Ich drehte mich wieder zu ihm um, zu dem, den ich liebte, von dem ich verlangte, daß er mich umbrachte.
"Du brauchst die Zukunft. Sie ist es, für die du lebst."
Bruder! Überm Sternenzelt muß ein lieber Vater wohnen...
"Danke. Durch dich hatte mein Leben einen Sinn."
Ich hielt seinen Blick fest.
Bruder...
Er schluchzte, wie auch ich.
Erinnerungen ... ein Felsen, ein See, eine Dusche, ein Bett...
Überm Sternenzelt muß ein lieber Vater wohnen...
Liebe.
Ihr stürzt nieder...
Ich liebe dich...
Waren es seine Worte oder meine?
Oder kamen sie von uns beiden?
Mei...
Ein plötzlicher Schmerz, dann nichts mehr.
Glück.
Ich bin der Engel des Freien Willens.
Ich habe gewählt.