Ein letztes Mal blickte Tabris sich um, bevor er in seinem kleinen Zimmer verschwand.
Langsam schloss er die Tür hinter sich und lehnte sich an. Das Mondlicht lag
immer noch sanft auf dem Boden des Zimmers und auf ein paar Gegenständen. Tabris
wusste nicht, was er denken sollte. Soeben war jemand gestorben. Und in den
nächsten paar Minuten würde wieder jemand sterben, irgendwo auf der Welt. Tabris
legte sich auf sein Bett und starrte die Decke an. Mit einem Male würde alles
um ihn herum bedeutungslos. Er fühlte so eine große Leere in seinem Herzen,
wie er sie noch nie zuvor gespürt hatte. Welcher Teil in ihm, hatte einen Grund
gefunden so traurig zu sein? Es war nicht so, dass Tabris Shinji's Tod egal
gewesen wäre. Natürlich ist man über das Hinscheiden einer Person bestürtzt..jedoch...
Jedoch war da noch etwas anderes, als nur Betroffenheit. Doch was? Mit dem lauten
Weinen Misato's schlief er schließlich ein.
Am nächsten Morgen wachte Tabris spät auf. Die Uhr zeigte halb zwölf an. Der
Junge stieg aus seinem Bett, ging zur Tür und horchte. Im Flur war es still.
War niemand da? Tabris öffnete seine Tür. Er sah in beide Richtungen des Ganges.
Suchend ging er nach links und fand sich schließlich in der Küche wieder. Auf
dem kleinen Küchentisch lag Rei-Chan und zeichnete etwas auf einen Papierfetzen.
>>Guten Morgen.<< sagte Tabris leise.
>>Hallo.<< begrüßte ihn Rei-Chan und reichte ihm ihre Zeichnung
>>Das bist du und ich.<<
Tabris nahm den Fetzen entgegen und betrachtete das Bild. Es zeigte zwei unterschiedlich
große Strichmännchen. Das eine mit blauen, das andere mit grauen Haaren. Und
da war noch ein Strichmännchen. Dieses lag anscheinend auf einer Wolke. Und
dann entdeckte er noch eine weitere Figur. Diese stand nah neben dem Männchen
mit den grauen Haaren. Es hatte weder Haare, noch ein Gesicht.<<
>>Und wer ist das da?<< fragte Tabris verunsichert nach.
>>Der auf der Wolke ist Shinji und der andere bist auch du. Schön, oder?<<
>>Ja,... sehr schön.<< sagte Tabris und zwang sich zu einem Lächeln.
Jetzt hatte Tabris es schwarz auf weiß. Er hatte ein zweites >Ich< und
um das fest- zustellen, hatte er tatsächlich die Zeichnung eines Kindes gebraucht.
Doch woher wusste Rei davon? Oder hatte sie es unbewusst gemalt? Schließlich
war sie noch ein Kind...
Wieder stellten sich viele Fragen in Tabris' Weg zur Freiheit.
In jener Nacht konnte Tabris kein Auge zu machen und wenn er endlich einschlief,
plagten ihn furchtbare Albträume, die ihn hochschrecken ließen. Es war bereits
vier Uhr morgens. Im Spiegel konnte er nun einen verzweifelten, blassen, sehr
blassen Jungen, mit zerzaustem Haar und dunklen Augenringen sehen. Die Nacht
war noch jung. Es dauerte mindestens noch weitere 5 Stunden, bis jemand von
den anderen aufstehen würde.
Plötzlich hörte Tabris ein Geräusch. Zunächst glaubte er, er hätte es sich vor
Müdigkeit nur eingebildet. Doch beim zweiten Geräusch stand Tabris auf seinen
Füßen. Ein Einbrecher?
Leise öffnete er die Tür und schlich sich auf den Gang. Er schaute nach rechts.
Nichts zu sehen, er schaute nach links. Dort am Ende lag Shinji's Zimmer. Unter
der Tür schimmerte ein Licht hindurch. Jemand war in diesem Raum! Das Licht
könnte von einer Taschenlampe kommen! Zögernd ging Tabris auf die Tür zu und
lauschte. Im Raum war es still. Ein Weile lang regte sich nicht, doch dann hörte
er wieder etwas, griff nach einem Gegenstand auf der Kommode neben der Tür und
stürmte ins Zimmer.
Stille. Der Raum war leer. Tabris schritt weiter in den Raum hinein. Der Boden
war eisig kalt. Hätte er doch bloß Socken angezogen! Kein Wunder, dass in diesem
Raum Kälte herrschte, dass Fenster stand natürlich offen. Moment! Das Fenster
war zu! Und es war kein Winter. Warum war es dann so kalt? Tabris erinnerte
sich an die Worte eines Medizinmannes: >>Mit der Nacht kommt die Kälte
und mit der Kälte kommen die Geister. Sieh' zu, dass du bei Nacht im Zelt bist,
sonst holen dich die Geister.<<
Ein Geist? Nein, dass konnte nicht sein. Es waren doch nur dumme Schauergeschichten,
die man kleinen Kindern erzählt, damit sie pünktlich zu Hause sind.
>>Ha-hallo ? << flüsterte Tabris, nur um sicher zu gehen und kam
sich dabei etwas blöde vor. Nicht regte sich im Zimmer. Tabris runzelte die
Stirn und drehte sich schließlich um. Vor ihm stand die geschlossene Tür. Er
hatte die Tür doch gar nicht geschlossen....
>>Fürchte dich nicht...<< sagte eine sanfte Stimme.
Tabris wirbelte herum. Über Shinji's Bett schwebte eine weiße Kugel.
>>Fürchte dich nicht..,<< wiederholte die Stimme, >>fürchte
dich vor allem nicht... vor dir selbst...<<
>>Vor mir selbst ...<< echote Tabris.
by Süsell (immer noch) more to come...
Sorry, zieht sich alles in die Länge...