Shinji sah Tabris an und Tabris sah Shinji an. Beide wagten es nicht, sich auch nur einen Zentimeter zu bewegen. Tabris fühlte eine tiefe Leere in seinem Herzen. Noch nie hatte er sich so einsam und kalt gefühlt. Dieser Mann, der da im Bett saß und ihn ohne zu blinzeln ansah, war ihm so fremd. Er konnte ihn nicht in seinen Visionen oder Träumen finden. Stille.
Der fremde blickte immer noch starr zu ihm hin. Er sagte nichts, bewegte sich nicht und schien einfach nicht zu "sein". Ihn umgab eine finstere Aura. Sein ganzes Leben muss düster, traurig und unbeschreiblich verzweifelt gewesen sein. Hat ihn denn niemand geliebt? Hatte er es nicht auch verdient, geliebt zu werden?
Plötzlich sah der fremde Mann auf seine Knie, die unter seiner weißen Decke lagen. Er schien nachzudenken.
>>Du weißt also nicht, wer ich bin ?<< fragte er mit belegter Stimme.
>>Nein, tut mir leid. Ich kann mich nicht mehr erinnern....<< sagte Tabris.
Shinji nickte. Tabris wusste nicht, was er sagen sollte und stand einfach nur da im Türrahmen. Da sah Shinji wieder zu ihm auf.
>>Sag, warum bist du eigentlich hier, wenn du keine Ahnung hast, wer ich bin ?<<
Tabris überlegte eine kurze Weile. Dann begann er langsam von seinem Traum nach Freiheit zu erzählen und das er nur zufällig auf Misato in der Wüste gestoßen war. Er erzählte dem Fremden alles: seine Träume, seine Wünsche, einfach alles und Tabris wusste nicht einmal, warum... Nun war er hier.... Schließlich begann Shinji zu erzählen. Er berichtete aus Tabris früherem Leben und das er und Tabris gut befreundet waren.
>>Du hast damals immer gelächelt und warst sehr weise...<<
Sie Tatsache, dass Shinji ihn damals umgebracht hatte und das Tabris ihm gesagt hatte, dass er ihn liebe, ließ er bewusst aus...
>>Hm...Weder lächle ich ständig, noch bin ich weise. Ich bin das nicht! Ich wurde in einem kleinen Stamm in Afrika geboren, wo man an viele, viele Götter auf einmal glaubt. Einer davon soll ich sein...doch...Ich hab nicht göttliches an mir und ich bin auch kein Gott....<<
Shinji lächelte sanft.
>>Nein, wahrscheinlich nicht...viel mehr ein Engel...<< sagte er zu sich selbst.
Am gleichen Tag begleitete Tabris Rei-Chan auf einem Spaziergang. Sie gingen auf den Friedhof und blieben vor einem der vielen Gräber stehen.
>Ikari Yui< stand in goldenen Buchstaben auf dem schwarzen Stein.
>>Sie war die Mutter von Shinji-kun und die erste Frau meines Vaters.<< sagte Rei-Chan.
>>Dein Vater? Wo ist er jetzt ?<< fragte Tabris neugierig.
Das kleine Mädchen begann auf den Füßen hin und her zu wippen und blickte verlegen zu Boden.
>>Er wohnt hier in der Nähe... Ich bin ihm davongelaufen, weil er immer so schlecht über Mama geredet hat.<<
>>Oh....Macht er sich denn keine Sorgen ?<<
>>Frag' ihn doch...<< meinte das kleine Mädchen.
Tabris runzelte die Stirn. Da spürte er, wie jemand hinter ihm stand. Blitzschnell drehte er sich herum und sah einem alten Mann mit dunkler Brille ins Gesicht. Das sollte Rei-Chans Vater sein. Moment, wenn Yui Ikari, seine erste Frau war und auch Shinjis Mutter war, dann musste er auch Shinjis Vater sein, der sich einfach verdrückt hatte: Gendo Ikari !