In einem Interview mit dem US-Magazin "The Pulse" hat Tiffany Grant, die englische Synchronsprecherin von Soryu Asuka Langley, einige interessante Hinweise auf die Produktion des Realfilms gegeben - zufällig ist sie nämlich mit einem der Produzenten verheiratet. ;) Bei dem folgenden Text handelt es sich um einen Auszug (Übersetzung ins Deutsche (C) 2003 by Seashore) jener Teile des Gesprächs, die sich mit Evangelion befassen. Bevor das Thema "Evangelion Life Action Film" angesprochen wird, verrät Tiffany noch einige Details über ihre Arbeit als Sprecherin von Asuka, über die Dreharbeiten und wie sie über die Serie denkt.
Das vollständige Interview in Englisch kann auf dieser Seite nachgelesen werden.
Interview geführt von Jennifer M. Contino
Tiffany Grant ist eine der bekanntesten Synchronsprecherinnen der Welt. Sie
hat Dutzenden Charakteren ihre Stimme geliehen - darunter Asuka aus Neon Genesis
Evangelion, Sai Jonouchi aus Angelic Layer, Kim Hotal aus RahXephon - und arbeitet
momentan an mehreren neuen Projekten, beispielsweise Tsukasa in Goemon: Legend
of the Mystical Ninja. Neben ihrer Arbeit als Synchronsprecherin hat Grant bereits
in mehreren Filmen mitgespielt und auch schon für die Videospiel-Industrie gearbeitet.
Bei ADV-Films arbeitet sie gemeinsam mit anderen Personen an Neuverfilmungen
beliebter Anime-Serien.
Momentan spiel sie nicht nur die Rollen verschiedener neuer Anime-Charaktere,
sondern wird im Zuge des in Produktion befindlichen Director’s Cut: Neon Genesis
Evangelion wieder den Part der Asuka übernehmen.
THE PULSE: Die meisten Leute kennen dich als Sprecherin von Asuka in Neon Genesis
Evangelion. Was wußtest du überhaupt über die Serie, bevor du diese Rolle übernommen
hast?
GRANT: Sie haben ja SO recht! Zum Vergleich frage ich die Leute, mir zwei zusätzliche
Rollen zu nennen, für die Leonard Nimoy bekannt wurde... (*Grillen zirpen*).
Im Ernst, ich habe keine Ahnung, wieviele Charaktere bereits von mir synchronisiert
wurden, wobei ich in mindestens 350 Episoden und Filmen mitgespielt habe, aber
Asuka ragt definitiv aus der Masse heraus!
Ganz ernsthaft, ich wußte vor Beginn der Aufnahmearbeiten fast nichts über
die Serie. Trotzdem habe ich nie für die Rolle vorgesprochen. Für den Regisseur
war ich von Beginn an die Stimme seiner Wahl, weil ich mit ihm bereits an 50
Projekten gearbeitet hatte. Matt (Greenfield, der Regisseur) witzelt gerne,
daß die Leute, noch bevor er überhaupt die Besetzung bekanntgegeben hatte, zu
ihm kamen und sagten: "Tiffany wird Asuka spielen, stimmt's?"
ADV hatte mit der Synchronisierung der Serie begonnen, als die Serie gerade
im japanischen Fernsehen ausgelaufen war (bevor die Filme ins Kino kamen), und
damals hatte Eva noch nicht den weltweiten Kultstatus erreicht, den es heute
hat. Vor Beginn der Aufnahmen an jeder Episode sah ich sie mir vorher an, und
ich habe auch die ersten Folgen gesehen, in denen ich noch nicht vorkam, so
daß ich imstande war "mitzuhalten".
THE PULSE: Welche Gestalt nahm Asuka in deinem Kopf an, als du über sie und
die Serie gelesen hast? Wer war sie für dich?
GRANT: Ich habe nicht über die Serie gelesen. Alles, was ich darüber wußte,
hatte ich vom Regisseur erfahren, und ich denke, in diesem Fall war es am besten
so. Er erklärte jedem von uns genau das, was wir aus der Sichtweise unseres
Charakters wissen mußten. Mit anderen Worten, jene Sprecher der Charaktere in
der Serie, die WUSSTEN, was wirklich geschah, wurden bereits im Voraus über
den gesamten Plot informiert, weil sie wissen mußten, was tatsächlich passierte.
Synchronsprecher, die Charaktere wie die drei Children spielten - und damit
quasi nur Marionetten waren - wurden größtenteils im Dunklen über den Plot gelassen,
damit das Überraschungsmoment nicht verlorenging.
THE PULSE: Worin liegt deiner Meinung nach der große weltweite Erfolg von Evangelion
begründet?
GRANT: Die Tatsache, daß die Serie einen wirklich zum Nachdenken bringt. Es
gibt keine einfachen Antworten. Manch einer würde vielleicht sogar behaupten,
daß es überhaupt keine Antworten gibt! Aber genau das macht die Schönheit und
Magie von Eva aus. Jeder Zuschauer erlebt die Serie aus seiner eigenen Sicht
und mit seiner eigenen Interpretation der Vorkommnisse - das finde ich fantastisch.
Alle Charaktere in der Serie haben eine ganz eigene interessante Geschichte.
Sie sind keine simplen zweidimensionalen Stereotypen, wie sie häufig in Animes
zu finden sind.
Aus aller Welt bekomme ich Briefe von Menschen, deren Leben sich durch diese
Serie tatsächlich verändert hat. Evangelion berührt zahlreiche Menschen. Es
beeinflußt sie. Es erreicht die Leute auf einer sehr tiefgreifenden, grundlegenden
Ebene, und so etwas ist wirklich selten.
THE PULSE: Was gefällt dir an deiner Rolle als Asuka am besten?
GRANT: Wow, da gibt es so vieles! Aber am meisten gefällt mir, daß mir die
Rolle geholfen hat, als Synchronsprecherin zu wachsen. Ich mußte mich selbst
erweitern, mußte mich bestimmten Seiten an mir selbst stellen, die ich lieber
nicht haben würde. Außerdem bin ich sehr dankbar und glücklich darüber, daß
so viele Menschen mir erzählt haben, wieviel die Serie ihnen bedeutet hat. Ein
Teil von etwas derartigem sein zu können ist großartig.
THE PULSE: Falls du etwas an Asuka nicht mochtest, was wäre das?
GRANT: Eigentlich nichts an ihr selbst. Was mir nicht gefällt, ist der Umstand,
daß sie häufig mißverstanden wird. Ich habe darüber auch einen kurzen Essay
mit dem Titel "In Defense of Asuka" geschrieben. Er ist auf meiner
Webseite zu finden.
THE PULSE: Wie denkst du über die Pläne für einen Evangelion Live Action-Film?
Was hast du darüber gehört?
GRANT: Meiner Meinung nach wird es UNGLAUBLICH werden! Weil mein Ehemann, Matt
Greenfield, einer der Produzenten ist, weiß ich viel mehr darüber, als ich hier
erzählen darf. >=)
Die neuseeländische Firma WETA, die die Effekte für "Der Herr der Ringe"
produziert hat, wollten nach dem Ende der Triologie nicht mit einem Mal arbeitslos
sein, daher sahen sie sich nach einem neuen Job um. Weil viele von ihnen Eva-Fans
sind (die gesamte Serie wurde im australischen Fernsehen mindestens zweimal
ausgestrahlt), dachten sie sich: "Warum nicht einen Evangelion-Realfilm
machen?"
Eins steht fest: Da ADV und Gainax für dieses Projekt gewonnen werden konnten, wird es mit Samthandschuhen angefaßt werden. Und für den Fall, daß der Film Erfolg hat, dürfen wir mit einem oder zwei Nachfolgern rechnen, weil es kaum möglich sein wird, alle 26 Episoden in einem einzigen Film zusammenzufassen. Wer einen Einblick in die Techniken erhalten will, die bei diesem Film eingesetzt werden, sollte sich die Dokumentationen auf den Herr der Ringe-DVDs anschauen. Wirklich beeindruckend!
THE PULSE: Offensichtlich stehen dir diese Charaktere sehr nahe. Welche Schauspieler
würdest du gerne in der Besetzung für den Film sehen?
GRANT: Lustigerweise habe ich mir über viele der Rollen noch gar keine Gedanken
gemacht. Über eine mögliche Asuka habe ich zwar eine Idee, aber ich fürchte,
darüber darf ich hier nichts erzählen. Allerdings: Da frühstens in zwei Jahren
mit dem Drehbeginn zu rechnen ist, sollte man Ausschau halten nach Dreizehnjährigen,
die ungefähr 15 Jahre alt sein werden, wenn der Dreh beginnt. ;-)
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